Methodische Ansätze

Jeder an Selbstverteidigung oder Kampfkunst Interessierte steht vor einen "Berg" von Systemen und Stilen, die meistens sehr viel versprechen, aber auf ihre Tauglichkeit zunächst nicht überprüft werden können. Die meisten Systeme werben damit, sehr viele wirksame Techniken unterschiedlicher Art sinnvoll zu verbinden. Diese sehr breitgefächerte Aufstellung wird heute als "Cross-Border"-Ansatz bezeichnet.

Was unterscheidet Reflexkampf grundlegend von anderen Selbstverteidigungssystemen ?

Als interessierter Laie stehe ich heute vor einer Unzahl von Kampfkunst- und SV-Systemen unterschiedlichster Herkunft, die häufig versprechen, mir eine optimale Sicherheit im Ernstfall zu bieten. Analysiert man nun die Angebote kritisch, so stellt sich schnell heraus, daß viele von ihnen dies von Beginn an gar nicht leisten können, da sie sich selbst Regeln auferlegt haben, die bestimmte besonders wirksame Techniken oder Angriffe ausschließen.

Dies gilt für alle Kampfsport-Systeme europäischer und asiatischer Herkunft, z.B. Boxen, Ringen, Judo, deren Ziel es ja ist, den Gegner kampfunfähig zu machen, ihn aber dabei nicht (allzu schwer) zu verletzen. Selbst Thai-  oder Kickboxen, die dabei nicht zimperlich sind, um zu einem KO zu kommen, haben immer noch Regeln, die z.B. keine Genitaltreffer, Fingerstiche oder Bisse zulassen. Ähnliches gilt für Ju-Jutsu und Vale-Tudo-Kämpfe im Griffbereich.

Und zu guter Letzt sind die meisten dieser Kampfformen reine Zweikampfformen und damit im Ernstfall weder gegen Waffen noch gegen mehrere Gegner geeignet. Sie sind spezialisiert auf eine spezielle Kampfsituation (nur 1 Gegner, Ring, Matte, freier Raum; nur treten, nur schlagen; nur greifen/werfen/hebeln usw.) und in diesem Rahmen hochwirksam, aber diese Spezialisierung hat einen hohen Preis, nämlich langjähriges technisches Üben, athletische Kondition  und sportliches Verletzungsrisiko. Wer dazu nicht in der Lage ist (körperliche Behinderungen, fortgeschrittenes Alter oder keine Zeit), hat damit von Anfang an auf das falsche Pferd gesetzt

Umgekehrt haben viele Allkampfsysteme wie z. B. Hapkido, Ju-Jutsu, viele Kung-Fu und Escrima Stile zwar alle im Ernstfall sehr wirksame Techniken im Programm, aber ein falsch verstandenes Vielfältigkeitsprinzip verhindert hier die situativ gebotene Anwendung, also die Bevorzugung einer situativ besser geeigneten Technik gegenüber einer Technik, die zwar auch in dieser Situation (noch) möglich ist, aber nicht optimal und damit da Risiko zu scheitern unnötig, erhöht. Bleib die Frage: Woran erkenne ich, was situativ geboten ist ?

Um hier Licht in den Dschungel dieser tausenden von Möglichkeiten zu bringen, entschloss sich Ende der 70-er Jahre der Begründer des WCI, Volker Kunkel, eine ganz andere Herangehensweise zu wählen, nämlich mit Hilfe einer Funktionsanalyse Techniken und Systeme auf den Prüfstand zu stellen ,unabhängig von ihrer geographischen oder historischen Herkunft.

Was bedeutet dies praktisch als Untersuchungsmethode? Nun, die Antwort ist relativ einfach: Jede Kampftechnik muß zumindest zwei Bedingungen gerecht werden: sie muß/sollte hochwirksam sein  (Effektivitätsgrundsatz) und sie sollte so wirtschaftlich wie möglich sein (Ökonomiegrundsatz).Dies beiden Grundsätze sind die jeweiligen Endpunkte einer Achse der Zweckmäßigkeit (Funktonalitätsprinzip). Je höher beide Punkte im Gleichgewicht sind, desto sinnvoller die Technik. Zwei Beispiele sollen das erläutern: Schieße ich mit Kanonen auf Spatzen, werde ich mit Sicherheit treffen, aber der Aufwand ist extrem hoch; wenn ich dagegen mit einer Schleuder schieße , erreiche ich ebenfalls mein Ziel, aber der Aufwand ist äußerst gering. Auf der technischen Ebene ist als hier eine eindeutige Antwort möglich, und genau darum geht es. Bei einer exakten Fragestellung ist also eine eindeutige Bewertung möglich, und damit trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen.

Gehen wir hier wieder zurück zum Bereich Kampftechnik im engeren Sinne, so sind wir damit in der Lage, für jede Situation zumindest laborhaft eine Technik 1., 2., und 3. Wahl zu bestimmen. Diese Bewertung kann sich allerdings verschieben, wenn ich hier zusätzliche Bedingungen wie körperlich Besonderheiten von Angreifer und Verteidiger, moralische oder juristische Bedingungen ins Spiel bringen. Allerdings findet dann auch in einem solchen Rahmen nur eine Anpassung an die Zusatzbedingungen statt, aber keine Aufhebung der genannten Prinzipien. So ist der Einsatz von Waffen zwar immer prinzipiell funktional geboten, wenn ich welche zur Verfügung haben, kann aber unangemessen und gesellschaftlich-rechtlich geächtet sein, wenn mein Gegner im Streit z.B. meine Frau, mein Bruder oder ein kleines Kind ist. Es handelt sich hier also um Effektivitätshindernisse nichttechnischer Art, die in einer speziellen Notwehrsituation auftreten können, aber keine allgemeine Gültigkeit haben; insofern bleibt es dabei: Bei einer exakten Fragestellung ist eine eindeutige Bewertung möglich, und die habe wir seit Ende der 70-er Jahre gleistet. Was dabei herauskam, haben wir unter dem Begriff "Reflexkampf" gesammelt und systematisch geordnet. Das Ergebnis wird Sie vermutlich genauso verblüffen wie uns damals. Wir empfehlen Ihnen dazu die vertiefenden Aufsätze auf unserer Webseite und den Besuch eines Seminars.

Der „Cross-Border“-Ansatz

Dieser besteht darin, daß aus verschiedenen Kampftechniken aus unterschiedlichsten Systemen die wirkungsvollsten zusammengestellt und methodisch aufeinander bezogen werden, sodaß sie sowohl im Angriffs- wie im Verteidigungsfall dem Benutzer die besten Möglichkeiten erschließen sollen.

Mit diesem Ansatz arbeiten die meisten Allkampf-Selbstverteidigungs-Systeme wie Ju-Jitsu, Hapkido, und viele traditionelle Kungfu-Stile. Diese angestrebte Synthese gelingt aus verschiedensten Gründen aber nicht immer (Gründe später); aber auch wenn sie überzeugend gelingt, ist hiermit zunächst ein relativ hoher und zeitlich nicht unerheblicher Trainingsaufwand verbunden, der freiwillig vom Lernenden über einen gewissen Zeitraum erbracht werden muß, um den angestrebten Erfolg zu erreichen. Umgekehrt kann hieraus aber auch eine „Liebe fürs Leben“ werden, wenn jemand dazu bereit ist.

Einen Menschen, der diese Prinzipien in in fast schon unglaublicher Form positiv verkörpert, haben wir für das WCI als Lehrer gewonnen. Wir freuen uns sehr, an dieser Stelle neu zu begrüßen: Großmeister NORBERT PAUL mit JET KUNE DO-REAL COMBAT (JKD-RC). Norbert Paul steht – wie schon der Name seines Systems zeigt – in der philosophischen Tradition von Bruce Lee und seinem Schüler Dan Inosanto, mit dem er privat Anfang der 90-er Jahre noch in dessen berühmt-berüchtigter Doppelgarage in Los Angeles trainierte. Seine Techniken, die sowohl die Weiterentwicklung des JKD nach dem frühen Tod von Bruce Lee und den immer stärkeren philippinischen Einfluß durch Inosanto wiederspiegeln wie auch Norbert Pauls eigene Erfahrungen, sind kompromißlos, konsequent und von tödlicher Präzision geprägt („real combat“!). Über seine Qualifizierungen im einzelnen können Sie sich auf der Dozentenseite näher informieren, es würde hier einfach den Rahmen sprengen. Nur so viel sei gesagt: Norbert Paul wurde als einziger Europäer überhaupt durch die World Martial Arts Legue zwischen 2000 und 2009 viermal in die HALL OF FAME der besten Kampfkunstlehrer weltweit berufen!

Der Instinktiv-Ansatz in Form von REFLEXKAMPF (RK, Begriff rechtlich geschützt)

Dieser Ansatz - er wurde Ende der 70er Jahre durch den Leiter des WCI, Volker Kunkel, selbst erarbeitet, aber in der Fachwelt einfach weitgehendst totgeschwiegen - ist das genaue Gegenteil des „Cross-Border“-Ansatzes und zielt auf die Entwicklung angeborener Verhaltensmuster wie Laufen/Springen/Greifen unter möglichst vollkommenem Verzicht auf körperlich-technische Lösungen, er ist sozusagen tierhaft-dynamisch orientiert. (Siehe hierzu auch: Kampfkunstbiografie Volker Kunkel) Positive Ergebnisse - auch auf breitester Anwendungsfront! - sind deshalb nachweisbar extrem schnell und einfach erzielbar, erreichen aber ohne Spezialtechniken nicht unbedingt die Tiefe der Lösung mit Hilfe eines höchstgradig gelungenen Cross-Border-Ansatzes wie im JKD-RC . Zum Ausgleich wiederum stehen die Ergebnisse praktisch lebenslang auch ohne weiteres Training zur Verfügung, da reflexhaft vorgegeben, sie können auch ohne Probleme mit vielen anderen Kampfkunstsystemen kombiniert werden (z. B. Kick-Boxen, Ringen, Judo, Ju-Jitsu), genauso wie sie waffenkompatibel sind. Zusätzlich können sie und sollen sie auch noch als Meditation ausgeführt werden (mit und ohne Partner).

Interessant ist, daß es zu Reflexkampf nur noch einen einzigen vergleichbaren Ansatz gibt im internationalen Rahmen, der fast identisch arbeitet, den ebenfalls auch fast niemand kennt, und der dem Verfasser erst Jahrzehnte später bekannt wurde durch einen seltsamen Zufall…! (Es ist Taiki-ken von Kenichi Sawai, ein japanischer H´sing-Stil)

Interessant ist auch noch, daß sowohl RK wie auch JKD-RC, so gegensätzlich sie auch vom Prinzip und so unterschiedlich sie auch im einzelnen sind, bevorzugt mit aktiven Kontaktkontrollen arbeiten, somit die Betonung der „Indes“-Situation der Deutschen Fechtschule wiederkehrt, aus unserer Sicht ein sehr gutes Zeichen, wenn die gleiche Erkenntnis, vor mehr als 600 Jahren bereits die Kernfragen des Europäischen Fechtens beantwortet hat.

Wir bieten also hier einen komplett gegensätzlich angelegten Zugang zum Bereich Kampf, der eine echte Alternative bietet sowohl untereinander wie auch nach außen.

Eine Entscheidung für den einen oder anderen Weg kann damit jeder je nach Interesse und Lebenssituation leicht für sich selbst treffen!