Volker Kunkel

Leiter des West-Coast-Instituts - Lehrer für historischen Schwertkampf

Kampfkunst-Biographie VK:

Boxen: 1967 Beginn in der Kickers-Boxabteilung Offenbach unter Trainer Georg „Schorsch“ Krenz, damals 4-facher deutscher Schwergewichtsmeister und 2-maliger Bezwinger von Karl Mildenberger ( späterer Profi-Europameister). Die Kickersboxer waren damals eine der stärksten deutschen Boxstaffeln überhaupt. Sehr kurze, aber heftige Karriere: 1. Kampf nach zirka 10 Sekunden mit einem einzigen Schlag durch KO gewonnen; unentschieden gegen den damals amtierenden Hessenmeister May (FFM); Punktniederlage gegen den amtierenden deutschen Vizemeister; einzige Aufgabe gegen den späteren Vizeeuropameister Marquard ; zwei Länderkampfberufungen (NRW und Marokko ). Aus gesundheitlichen und ethischen Gründen 1969 mit dem Boxkampf aufgehört.

Ab 1971 Beginn mit Ju-Jutsu (JJ), 1974 (Mindestwartezeit) Prüfung zum 1.Dan (Meistergrad /Schwarzgurt), 1975 zum 2.Dan. Sehr erfolgreiche Trainerkarriere speziell am Institut für Leibesübungen der Universität FFM, wo er auch 1971 die Ju-Jutsu-Abteilung begründete. In diesem Rahmen Training und Lehrgänge mit Adi Klug und Erich Reinhard, GM Peter Nehls und Vlado Schmidt (beide Bundestrainer), GM Prof. Schulze.

Daneben noch Judo unter GM Alfred Rhode sen. und Peter Garber (beide JV Sprendlingen, wo VK auch 1971 die Ju-Jutsu-Abteilung begründet hatte). Weiter Taekwondo- Training unter BT GM Kwon, GM Kim, Karl Wohlfahrt (DM/EM), Arno Fischer u. Mike Jonas (beide DM und TWD-Nationalmannschaft).

Da VK bereits während seiner J J-Ausbildung merkte, daß sich eine riesige Diskrepanz zwischen Ausbildung/Training einerseits und realer Anwendungsmöglichkeit andererseits auftat, sowie im Rahmen des Deutschen Dan Kollegiums Sektion JJ für ihn keine Bereitschaft zu Reformen zu erkennen war, beschloß er ab 1975, eigene Wege zu gehen.

Als sportlicher Leiter des Kickbox-Centers ELFI’S GYM konzentrierte er sich ab 1976 zunächst wieder auf den Wettkampfsport. Seine Schüler im Kickboxen waren deutschlandweit an führender Stelle im Vollkontaktbereich, es wurden -soweit bekannt- deutschlandweit die ersten Kickboxkämpfe im Ring ausgetragen und das auf sehr hohem Niveau, lange bevor WAKO und andere Verbände sich dazu entschließen konnten. (Die tapferen türkisch-arabischen Kämpfer der Al-Aksa Moschee in Mainz werden sich vielleicht noch mit Kopfschmerzen ihrer Prügel in den Katakomben des Kickers-Stadions erinnern!)

Mit der beruflichen Veränderung seiner langjährigen Schüler, die zum Großteil Studenten waren, schrumpfte der Aktiven-Pool, nachrückende Kräfte hatten nicht das körperliche und geistige Niveau. Dazu kamen soziale und ethnische Probleme, die kaum einer gut geführten Kampfsportschule der damaligen Zeit erspart geblieben sind. Vor die Wahl gestellt, für Geld Leute auszubilden, die zum Großteil mit dem erworbenen Wissen nichtsportlich Erfolge suchten – sei es auf der Straße oder im Drogen- und Rotlichtmilieu – entschloß sich VK, den Kickboxsport aufzugeben und sich nur noch im Selbstverteidungsbereich (SV) im engeren Sinne als Lehrer zu betätigen.

Noch während seiner Ju Jutsu-Zeit hatte VK angefangen, mit Techniken zu experimentieren, die sowohl im Hebel-/Wurfbereich wie auch bei Schlag und Tritt gezielt aus der Defensive heraus entwickelt werden konnten und auf einem Kreisbewegungsprinzip beruhten, dazu hatten auch persönliche Kontakte zum Hapkido-, Tai-Chi- und Shorinje Kempo-Bereich beigetragen. Dies mündete in die Entwicklung einer Selbstverteidigungsmethode, die nur aus zwei mal drei Kreisbewegungen bestand, die aber in der Lage waren, jede grundlegende Angriffsbewegung zu neutralisieren. Da es hierzu nur im chinesischen Kampfkunstbereich Parallelen gab, nannte er diese extrem wirksamen, aber auch sehr schönen Bewegungen Kreis-Strahl-Kung Fu. Die dazu entwickelte Form und ihre Anwendung mit und ohne Waffen praktiziert und unterrichtet er heute noch.

Ab Ende der 70-er Jahre begann VK einen anderen SV-Aspekt weiterzuverfolgen, nämlich die Arbeit mit reflexhaftem Verhalten unter körperlichem Stress und Gewalt. Angeregt dazu hatten ihn seine Yoga-Studien, eigene Erfahrungen, sowie die Erkenntnis, daß selbst außergewöhnlich gut geschulte Kampfsportler in Extremsituationen nicht das machten, was aufgrund ihrer Ausbildung zu erwarten gewesen wäre, sondern ein Verhalten zeigten, das angeboren erschien, und sich damit nicht von normalen Menschen oder Primaten unterschied. Diese neuen und damals selbst für ihn revolutionären Erkenntnisse untermauerte er durch Fotoserien von Überraschungsangriffen und veröffentlichte dazu auch Artikel in Fachzeitschriften. Die so gewonnenen Erkenntnisse faßte er als Kampfmethode unter der Bezeichnung „Reflexkampf“ zusammen (näheres s. dort); das dahinterstehende Motto allerdings hatte schon 20 Jahre vorher Bruce Lee auf den Punkt gebracht: „Hack away all things you don’t need!“.

1986 beschloß VK, keinen normalen Unterricht mehr zu geben, sondern nur noch Leute zu unterrichten, die selbst bereits langjährige Erfahrung in verschiedenen Kampfkunstbereichen gesammelt hatten. Das Schwergewicht des Unterrichts verschob sich dabei von der reinen Stoffvermittlung immer stärker zum interdisziplinären Wissensaustausch und Forschen zwischen Lehrern und Meistern (Technikvergleich und Systemanalysen). Um dies nicht zu gefährden, bleibt auch die Unterrichtsform auf Seminarebene und die Institutsform des WCI erhalten. Daran hat auch der sensationelle Unterrichtserfolg der historischen Fechtseminare nur insofern etwas geändert, als VK sich jetzt – mit über 60 Jahren - noch einmal an die Öffentlichkeit wendet, um zu verhindern, daß die gefundenen Erkenntnisse aufgrund seines fortgeschrittenen Alters mit ihm untergehen. Vielleicht ist jetzt erst die Zeit dafür reif!

Sein besonderer Dank gilt dabei seinen Reflexkampf-Schülern der 1. und 2.Generation, nämlich John Haindl, Werner Elzheimer , Andreas Christahl , Fido Weissgerber, sowie Ralf Schleicher und Peter Winterling aus der 3.Generation. Jeder war vorher schon ein außergewöhnlicher Kampfsportler oder Kämpfer, jeder hat von Reflexkampf profitiert, aber jeder hat auch seinen Teil dazu beigetragen, Reflexkampf noch ein Stück besser zu machen, als es von Anfang an war!